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Ultimo-Kiel

50 Jahre Szene-Magazin

Stadtmagazine als Inspirationsquelle für mobile, aktive und erlebnishungrige Menschen gehören heute zu jeder größeren Stadt - in bewusster Ergänzung zur Tageszeitung. Das erste deutsche Stadtmagazin ultimo wurde bereits 1968 In Kiel von den Studenten Wolfgang Buhmann und G. Heiner Spönemann gegründet. Nach gemeinsamen Schülerzeitungszeiten verabredeten sie in der legendären Szenekneipe „club 68“ (in der Ringstraße 68) einen Veranstaltungskalender für die Stadt, finanziert aus Anzeigen, zur kostenlosen Abgabe in einer Startauflage von 3000 Exemplaren zu produzieren. Im handlichen Format DIN A 5 umfasste die erste Ausgabe im Dezember 1968 lediglich sechs Seiten. Bei der monatlichen Erscheinungsweise bot sich der Name „ultimo“ einfach an. Im Gegensatz zur politisch hitzigen Zeit der 68er an den Universitäten sollte ultimo bewusst unpolitisch sein. Inserenten wie Leser nahmen diese Alternative dankend an. So konnten bereits in den 7oer Jahren Umfang und Auflage ständig gesteigert werden. Insbesondere Hintergrundinformationen zu bevorstehenden Veranstaltungen trafen auf Interesse, dagegen wurden „Acts“ oder „Gigs“ nachträglich grundsätzlich nicht kommentiert. Das redaktionelle Umfeld wurde ständig erweitert und die Rubrik „szenario“ befasste sich entgegen der ursprünglich unpolitischen Intention nun auch mit Themen der Stadtpolitik. Der inhaltliche Schwerpunkt blieb aber bei der Kieler Szene, bei der Gastronomie und bei Veranstaltungen. Neben den Terminankündigungen (bis zu 200 im Monat) gewann der Teil mit den Kleinanzeigen (über 150 im Monat) immer stärker an Bedeutung. Insbesondere die Kontaktanzeigen wurden wegen ihrer häufig originellen und kreativen Formulierungen auch bei bereits vergebenen Beziehungspartnern zu einem sehr beliebten Lesestoff, Die 80er und 90er wurden zu den erfolgreichsten Jahren von ultimo. Wegen der großen Nachfrage und sprudelnder Anzeigenerlöse konnte der Umfang auf durchschnittlich 120 Seiten und die Auflage auf 15.000 Exemplare gesteigert werden. Wegen der hohen Seitenzahl wurde ultimo nicht mehr geheftet, sondern wie ein Taschenbuch gebunden. Dem DIN-A5-Format sind die Herausgeber aus tiefer Überzeugung und Tradition immer treu geblieben. Die ersten Jahre wurde ultimo im Buchdruckverfahren (Gutenberg ließ grüßen) hergestellt, was sich auf Dauer als zu unflexibel erwies, denn Bilder und Anzeigen mussten erst zeit-und kostenaufwändig als Klischees hergestellt werden. Aufgrund des gestiegenen Umfangs und des stetig wachsenden Zeitdrucks wechselte man dann zu zwei leistungsfähigen Offsetdruckereien in Kiel. Die rapide technische Entwicklung erfasste schließlich auch das ultimo: Zwar wurde für das Büro am B1ücherplatz eine elektrische Schreibmaschine angeschafft, aber Wolfgang Buhmann blieb noch viele Jahre seiner alten Schreibmaschine treu und schrieb damit alle Manuskripte. Und zur Gründung in den späten 60er Jahren gab es eben kein Faxgerät, kein Handy und keine Computer. Trotzdem ist das ultimo in 50 Jahren immer pünktlich erschienen: Eben am ultimo des jeweiligen Monats. Mit der zunehmenden Nutzung elektronischer Medien sank aber die Bedeutung der Printmedien, und auch das ultimo präsentiert sich heute lediglich mit 60 bis 80 Seiten. Ergänzend zum monatlichen Stadtmagazin wurden zu Hochzeiten jeweils zur Kieler Woche im Juni Sonderhefte herausgegeben, sogar in den drei Sprachen Schwedisch, Englisch und Deutsch. Damals wurde es von einheitlich gekleideten Hostessen auf der Holstenstraße und in Schilksee am Eröffnungssonnabend kostenlos verteilt. Zur besseren Orientierung (insbesondere der Neu-Kieler) wurde ergänzend das „ultimo-Kiel-Buch“ herausgegeben, in dem alles Wissenswerte und die Geheimtipps der Redaktion von A bis Z preisgegeben wurden. Der Gründer und Autor G. Heiner Spönemann hat sich im Jahr 2006 zurückgezogen und sein Partner Wolfgang Buhmann blieb bis zu seinem plötzlichen Tod 2013 der Herausgeber des ältesten deutschen Stadtmagazins. Seit 2010 agiert Ultimo von Lindhöft aus. Und etwas ist neu: Die Printausgabe konzentriert sich 2019 auf vier Ausgaben – zu jeder Jahreszeit ein Magazin. Die Online-Ausgabe wird täglich aktualisiert, Veranstaltungen ergänzt und Auftritte besonders hervorgehoben. Der Ultimo-Verlag rüstet sich fürs weltweite Netz und – dank Leser und Werbepartner – für die nächsten 50 Jahre.

Bild: Verteilung des Kieler Woche Sonderhefts, 1973 in der Holstenstraße.

Bild: Anfangs noch schwarz-weiß: Die erste Ultimo-Titelseite.

Bild: Das erste Ultimo-Heft von Dezember 1968 umfasst nur sechs Seiten. Im Vorwort erklären die Macher ihr Konzept.

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